DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES TANGO
Die Entstehungsgeschichte des Tangos ist keineswegs sicher und wird
bis heute heftig diskutiert.
Bereits die Herkunft des Wortes Tango
ist umstritten. So behauptet z.B. Eduardo S. Castillo Tango ist
japanisch und der Tanz und die Musik sei von auf Kuba lebenden Japanern
entwickelt worden.
Andere leiten es vom lateinischen Wort „tangere“
– berühren ab, wieder andere sehen es als Weiterentwicklung
des spanischen Wortes „tambor“ – Trommel. Wahrscheinlicher
aber ist die These von Vicente Rossi.
Er verwies als erster darauf,
daß das Wort aus einem afrikanischen Dialekt entstammen könnte.
So bedeutet das Wort Tango in bestimmten afrikanischen Sprachen
„abgesperrter Ort“ oder „vorbehaltenes Gelände“.
In Argentinien und auch in anderen spanischsprachigen Ländern
wurde der Begriff Tango bisweilen im allgemeinen auf schwarze Tänze
bezogen.
Dies zeigt, daß das Wort Tango Ende des 19. Jh.den Einwohnern von Buenos Aires seit langem
vertraut war.
Der Name ließ sich also leicht auf eine neu entstehende Musik- und Tanztradition übertragen.
Um die Entstehung des Tango nachvollziehen zu können, muß
ersteinmal nach den bereits vorhandenen Strömungen auf den
Gebieten von Musik und Tanz geschaut werden.
So kam z.B.der Walzer
ca.1816 als erster europäischer Tanz nach Argentinien.
Ihm
folgte Mitte des letzten Jh. die Polka, die Marzurka und der Schottische.
Ungefähr zeitgleich kam die kubanische habanera nach Argentinien.
Die Polka und die habanera hatten einen entscheidenden Einfluß
auf das Entstehen der Milonga – ein eigenständiger argentinischer
Tanz, der um 1870 unter den „compadritos“ sehr beliebt
war und die „habanera des armen Mannes“ genannt wurde.
Ende des 18.Jh. war Buenos Aires einer der Anlaufhäfen für den Sklavenhandel, so daß eine beträchtliche Anzahl
seiner Bewohner aus Schwarzen bestand.
Durch die Expansion Mitte des 19.Jh. relativierte sich das Bild jedoch und der Anteil der Schwarzen verminderte sich.
Die Afro-Argentinier brachten neue Tänze hervor.
Einer der bekanttesten Tänze war der "candombe" ,ein wilder, rhythmischer
,oft improvisierter Tanz der sich sehr von den herkömlichen europäischen
und argentinischen Tänzen abhob.
Viejo Tanguero, ein damaliger Zeitzeuge berichtete das die Afro-Argentinier
einen neuen Tanz kreierten, den sie "Tango" nannten und der Ähnlichkeiten
mit dem "candombe" aufwies.
Er wurde von Paaren getanzt, die sich
jedoch nicht umarmten, sondern sich getrennt im Rhythmus bewegten.
Die "compadritos" die die Tanzveranstaltung der Schwarzen besuchten
brachten diesen "Tango" ins Schlachthofviertel und führten ihn in
den zahlreichen Tanzstilen ein, indem sie seine auffälligsten Wesenszüge
in die "milonga" integrierten.
Die neue Art die "milonga" zu tanzen
breitete sich schnell in andere Viertel aus.
Das was später der
Tango werden sollte war also zunächst nur eine neue Art die "milonga"
zu tanzen. Noch war es kein wirklich neuer Tanz.
Eine echte Neuerung
in der Entstehungsphase des Tango war das einfügen von "quebradas"
(improvisierte ruckartige Verrenkungen) und "cortes" (ujnvermitteltes
innehalten),bei denen die Partner auf Tuchfühlung tanzten und nicht
wie beim "schwarzen Tango" nahezu ohne Körperkontakt.
Bei der argentinischen
Oberschicht stiess die afrikanisierte Milonga-Tango auf grosses
Unverständnis, wobei seine Ursprünge im zwielichtigen Milieu der
Unterschicht (Bordelle; academias / als Tanzschulen kaschierte Bordelle;
Cafes, Bars, Tanzdielen) das übrige dazu beitrugen.
In solchen Kaschemmen
wurden sowohl Tanz als auch Musik durch Improvisation & Variation
verfeinert. man geht davon aus, das es zwischen Musik & Tanz eine
ständige Wechselwirkung gegeben hat. Die Musiker passten Rhythmus
& Melodie den Bewegungen der Tänzer an. In diesem Stadium war die
Musik ausnahmslos improvisiert. Die ersten Instrumente scheinen
Flöte, Geige und Harfe gewesen zu sein, denen aber bald schon Gitarre
& Klarinette folgten. Später kam dan noch das Bandoneon dazu, welches
bald das typische Tango-Instrument werden sollte.
Die Verbindung zwischen Tango und Bordell ist unübersehbar und da
es Prostitution auf allen gesellschaftlichen Ebenen gab fand der
Tango schnell seinen Weg in die Bordelle der Oberschicht. Obwohl
dem Tango lange Zeit seine anrüchige Herkunft anhaftete blieb er
doch nur kurz auf die "arrabales" am Stadtrand beschränkt.
In feineren
Tanzsälen wurden die wilden & agressiven "cortes" und " quebradeas"
gezähmt und es enstand der "tango liso" - der elegante Tango.
Der
Tanz begann ein eigenständiges Leben zu führen und emanzipierte
sich allmählich von der Welt der Zuhälter, Schläger & Huren.
Der elegante Tango war der Vorläufer des Ballsaal-Tango des 20. Jh., während der "ursprüngliche" Tango schliesslich verschwand. Auch in der Musik gab es einen grossen Wandel, die Musiker entfernten sich von der Improvisation und begannen Tangos aufzuschreiben. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jh. komponierten eine Reihe begabter Musiker bereits Stücke die schon ein wenig mehr waren als leicht variierte "milongas" oder "tango andaluces" und die eine Struktur aufwiesen, aus der sich dann später der "echte Tango" entwickelte. Mit Beginn des 20.Jh hatte der Tango als Tanz & Musik in der Stadt Buenos Aires festen Fuß gefasst. Im Verlauf der folgenden 20 Jahre eroberte er die Stadt schliesslich ganz- und grosse Teile der übrigen Welt.



















































